Brücken bauen ...

ein schöner, positiver Titel, den die Malerin und Galeristin Carolin Beyer für eine Ausstellung in ihrer GALERIE BRÜCKE in Hamburg-Harvestehude gewählt hat. Dieser Titel hat mich zu neuen Werken inspiriert.

 

Ein Radweg führt mich häufig entlang des Flüsschens Wiese von meiner Heimatstadt Lörrach aus in Richtung Schweiz. Zahlreiche große und kleine Brücken sowie aktive und stillgelegte Bahnbrücken überspannen den Fluss, dessen Quelle im Naturpark Südschwarzwald liegt. Schließlich mündet die Wiese zwischen den Kleinbasler Ortsteilen Klybeck im Süden und Kleinhüningen im Norden in den Oberrhein. Unmittelbar nordöstlich der Wiesemündung liegt der Basler Rheinhafen; westlich gegenüber, jenseits des Rheins, die französische Gemeinde Huningue. Besonders eindrucksvoll ist auf dieser Tour für mich immer wieder ein Stopp an der 2007 eröffneten Dreiländerbrücke zwischen Weil am Rhein und Huningue. Mit einer Gesamtlänge von 248 Metern ist sie die längste freitragende Fußgänger- und Radfahrerbrücke der Welt. Die Baukosten von rund 10 Millionen Euro trugen Frankreich und Deutschland jeweils zur Hälfte; zusätzlich gab es Zuschüsse von der EU, Baden-Württemberg, dem Département Haut-Rhin und der Region Elsass.

 

Die Brücke als Symbol des Aufeinanderzugehens: Im Grenzgebiet des Dreiländerecks Deutschland–Frankreich–Schweiz ist sie weit mehr als das. Die Kriege des späten 19. und des 20. Jahrhunderts stellten das hiesige Grenzgebiet vor besondere Herausforderungen. Es wurde zum Schauplatz von Kämpfen, Massakern und wiederholten Annexionen. Obwohl die Schweiz während dieser Zeit neutral blieb, wurde vor allem die Region Basel zu einem Auffangbecken für Vertriebene. Zwischen 1871 und 1945 waren die Elsässer viermal gezwungen, ihre Staatsangehörigkeit zu wechseln. Während der NS-Zeit wurden sie gewaltsam „germanisiert“. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand 1945 die 448 Kilometer lange deutsch-französische Grenze, von der allein 182 Kilometer auf den Rhein entfallen.

 

Die Europäische Union trieb diese Entwicklung mit grenzüberschreitenden Projekten hin zu einer gemeinsamen trinationalen Region voran. So entstanden Verbindungen über Grenzen hinweg – unter anderem durch den Bau und die Pflege von inzwischen 13 Rheinbrücken.

 

Zur Kreation meiner Brückenbilder habe ich Holz, Schrauben, Spachtelmasse und Farbe benutzt. Diese Materialen stehen sinnbildlich für vortreffliches Handwerk und technische Präzision. Um Brücken zubauen sind Voraussetzungen zu erfüllen, die exakte Planung ist unerlässlich. Im Übertragenen Sinne beansprucht ein Brückenbau von Mensch zu Mensch ebenso Zeit, einen bewussten Plan, sehr viel Geduld und gute Kenntnis des Gegenübers, damit eine positive Verbindung gelingen kann.