Körperbilder

 

„Zwischen Himmel und Erde“  Bilder einer Rauminstallation 

Dias von Körperbildern und Landschaften ein Bildprojekt von  Marga Golz und Günter Ruf
Das Abbild des menschlichen Körpers übt schon immer eine große Faszination auf mich aus. Meine ersten Körperfotos entstehen in Berlin ab 1986, parallel mit der Realisation von Ölbildern auf Leinwand. Es sind vorwiegend Fotos von Frauen - inszeniert ohne Pinsel-, Farb- oder PC-Bearbeitung. Menschliche Haut unterliegt fortlaufenden Veränderungen. Den prallen Bauch einer Schwangeren finde ich ebenso spannend wie das abenteuerliche Netz von Falten, das den alternden Körper überzieht. Es geht mir bei der Darstellung nicht um die Präsentation von „Puppen“, sondern die des realen Menschen. Träume und der untergründige Bereich des phantastisch Surrealen inspirieren meine Bilder. Ich gewähre dem Betrachter Blicke in eine Zwischenwelt.
Ein Leben zwischen Himmel und Erde bedeutet für mich, sich selbst Gedanken(aus-)flüge und Sehnsüchte zu gestatten und gleichzeitig das Eingebundensein und die Abhängigkeit von Natur- und Kulturumgebung zu akzeptieren, ohne diese zu mystifizieren. Ein ironischer Unterton ist manchen Darstellungen sicher nicht abzusprechen.
Das Zusammentreffen 1999 mit Günter Ruf in Lörrach eröffnet für uns beide neue Wege. In zahlreichen Gemälden befasse ich mich mit Aspekten von Veränderung, von Werden und Vergehen. Meine figürlichen Darstellungen enthalten Elemente der Auflösung. Günter Ruf fotografiert neben Landschafts- und Architekturelementen auch Menschen. Gemeinsam entwickeln wir neue Bildideen zur Gestaltung des Körpers als Bildträger. Wir reden und ereifern uns über Bilder, Klischees, Ideen und versuchen die dahinter verborgenen unterschiedlichsten Sichtweisen zu begreifen. Immer wieder beschäftigen uns die Fragen: Wie sehen Männer Frauen und umgekehrt? Wie sehen Frauen Frauen und Männer Männer? Jeder von uns gewinnt aus den Diskussionen neue Perspektiven für den Fortgang der eigenen kreativen Tätigkeit. Ich beginne menschliche Körper zu bemalen, zunächst mit den einfachen Fingerfarben meiner Kinder, dann mit professionellen Körpermalfarben, die mit Pinsel oder Schwamm aufgetragen werden.
Gleichzeitig beobachten wir konsterniert die aufkommenden Piercing- und Tatoo-Modetrends unserer Umgebung. Davon möchten wir uns abgrenzen. Unsere Bildaussagen verstehen wir nicht als Teil eines Schönheits- oder Körperkultes. Eine Entstellung des menschlichen Körpers und eine Darstellung als erotisches Objekt liegen uns fern.
Während unserer Reisen nach Italien und in die Türkei male ich erste Bilder direkt auf die Haut. Die Farben der Umgebung, die Intensität des Lichtes, bestimmen jeweils die ausgewählten Farbnuancen der Körperbemalung. Günter Ruf fotografiert die Ergebnisse. Parallel dazu beschäftigt er sich auch mit Motiven aus der Landschaft und der Architektur und fotografiert diese. Die Ergebnisse projiziert er auf die Haut und schafft mit dem fototechnischen Medium eine andere Form des Bildes auf der Haut. Allen Darstellungen ist gemeinsam, dass sie sich gegen Klischees wehren.
Es ist das Überraschende, das Unerwartete, das unseren Blick reizt und uns ein Bild in Erinnerung bleiben lässt. Günter Ruf und ich inszenieren ein Spiel mit gewohnten Sichtweisen. Wir lenken den Blick des Betrachters in eine unerwartete Richtung, egal ob eine  reflexive oder spontane Bildaufnahme stattfindet.
Marga Golz, Lörrach 2003